Lebensweisheiten

Ein Mensch, der knausernd, ob er’s sollte,
ein mageres Trinkgeld geben wollte,
vergriff sich in der Finsternis,
und starb fast am Gewissensbiss.
Der andre, bis ans Lebensende,
berichtet gläubig die Legende
von jenem selten noblen Herrn –
und alle Leute hören’s gern.

Ein zweiter Mensch, großmütig, fein,
schenkt einem einen größeren Schein.
Und der, bis an sein Lebensende
verbreitet höhnisch die Legende
von jenem Tölpel, der gewiss,
getäuscht sich in der Finsternis.
(Eugen Roth)

Oder wie es ein anderer Poet formulierte:

Wenn ich über’s Wasser laufe,
sagen die Leute, „siehst Du, nicht mal
schwimmen kann er“.
(Berti Vogts)

Oder:

Es leiht sich jemand von mir etwas (egal was, Beispiele CD, Schienbeinschoner, …) aus, er gibt es nicht zurück, er wird über eine WhatsApp-Gruppe zur Rückgabe aufgefordert, nichts passiert. Jetzt kann man sagen, dass es normal ist, etwas, was ich ausleihe, ohne Aufforderung von mir aus zurückzugeben (= Anstand), zumal das Behalten ja auch eine Unterschlagung (§ 246 StGB) ist. Wenn das länger her war und ich nicht genau sagen kann, wer der Ausleiher war, „pass doch besser auf Deine Sachen auf und verleihe nichts“, „es ist doch Dein Chaos, das Du verursachst hast. Dokumentiere doch alles, schreib Dir das auf, dann kannst Du reagieren, Du musst da sorgsamer sein“. Das ist ein anderer Ansatz, der sich analog in den oben genannten Beispielen auch findet.

Derartige Vorfälle haben Tradition bei mir. Wir hatten vor vielen Jahren (ich war noch aktiver Spieler, es ist also sehr lange her) mal einen Mannschaftsabend der Fußballmannschaft mit geschlossener Gesellschaft in einem Lokal in Neuweiler, nämlich im Nebenraum des Gasthauses Brennender Berg, da hatten wir einen CD-Spieler aufgebaut und ich hatte zwei CDs von zuhause mitgebracht. Die eine bekam ich wieder, die andere war weg (nämlich von Frank Sinatra, „New York“). Nachher habe ich mitbekommen, dass darüber geredet wurde, dass ich ja selbst Schuld sei, überhaupt CDs mitzubringen, ohne sie danach sofort wieder an mich zu nehmen.

Ich sage dazu:
wer im Kameradenkreis so was macht und eine CD klaut, der ist das Arschloch und nicht ich! Dazu stehe ich und diese Meinung werde ich nie ändern!

Wir hatten vor drei, vier Jahren, da hatten wir noch keine oder ganz wenige Afrikaner im Team der DJK, auch Vorfälle in der Kabine, wo Geld weggekommen ist. Auch wenn das mit der CD oben richtig ist, Geld oder Wertsachen waren damals zu meiner aktiven Zeit nie weggekommen! Das ist auch die Wahrheit!

Es geht auch darum, ob man „Verantwortung“ für etwas übernehmen will. Beispiel: wenn ein Ball über den Zaun geschossen wird, ist es in Fußballvereinen überall so, dass Ersatzspieler, die sich nicht gerade warmmachen, dafür sorgen, dass der Ball wieder gesucht wird und zurückgeholt wird. Das ist sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn ein Ball nicht sofort gefunden wird, sollte man den Platzwart unterstützen und den Ball mit ihm im Wald suchen gehen. Das hat in den letzten Jahren nur Fabrice (= Rüdiger), der jetzt leider in Köln ist, von sich aus und ohne große Aufforderung gemacht. Das ist Verantwortung. Zu Zeiten von unserem unvergessenen „Hennje“ hat kein Spieler geduscht, bevor nicht alle Bälle wieder da waren und dann wurde gemeinsam gesucht. So geht das richtig!